Risiko- und Schutzfaktoren

Unsere psychische Gesundheit wird von Risiko- und Schutzfaktoren beeinflusst. Welche Faktoren dabei eine Rolle spielen und was für eine stabile psychische Entwicklung wichtig ist, erfahren Sie in diesem Kapitel.

Kurz gefasst:

  • Psychische Gesundheit wird von Risiko- und Schutzfaktoren beeinflusst

  • Risikofaktoren können die Wahrscheinlichkeit für psychische Erkrankungen erhöhen, z.B. belastende Lebensereignisse, Konflikte in der Familie, soziale Isolation

  • Schutzfaktoren können die seelische Widerstandskraft stärken, z.B.

    stabile Beziehungen zu Bezugspersonen, ein unterstützendes und strukturiertes Umfeld, Vorbilder für den Umgang mit Belastungen, altersgerechte Aufgaben und Erfolgserlebnisse

  • Besonders wichtig sind stabile Bausteine in Kindheit und Jugend

  • Ein erhöhtes Risiko für psychische Belastungen besteht beispielsweise bei Kindern und Jugendlichen, die in schwierigen familiären Situationen aufwachsen.

Was gibt es noch zu wissen? 

Jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Belastungen – manche Menschen sind sensibler als andere. Dabei spielen sowohl persönliche Voraussetzungen als auch das soziale Umfeld eine Rolle. Belastungen wie Krankheit, Einsamkeit oder Konflikte können die seelische Gesundheit beeinträchtigen. Auch persönliche Faktoren, zum Beispiel geringe Selbstsicherheit oder Schwierigkeiten im Umgang mit Stress, können die Anfälligkeit für psychische Belastungen erhöhen.

Darüber hinaus beeinflussen auch soziale Lebensbedingungen die psychische Gesundheit. Dazu gehören zum Beispiel die Arbeits- und Wohnsituation, Bildung, Einkommen sowie zwischenmenschliche Beziehungen.

Wichtige Grundlagen für eine stabile psychische Entwicklung werden bereits in der Kindheit und Jugend gelegt. Fehlen Sicherheit, Unterstützung und verlässliche Bezugspersonen, kann dies langfristige Auswirkungen auf die psychische Gesundheit haben. Ein erhöhtes Risiko besteht zum Beispiel bei Kindern und Jugendlichen, die in schwierigen familiären Situationen aufwachsen, deren Eltern psychisch erkrankt sind oder die belastende Erfahrungen wie Vernachlässigung oder Gewalt erlebt haben.

Psychische Erkrankungen entstehen meist durch das Zusammenwirken mehrerer Belastungsfaktoren. Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen:

Biologische Faktoren

  • Genetische Veranlagung
  • Neurobiologische Besonderheiten
  • Chronische körperliche Erkrankungen
    Substanzkonsum (z. B. Alkohol, Drogen)

Psychologische Faktoren: 

  • Geringes Selbstwertgefühl
  • Niedrige Frustrationstoleranz
  • Unsichere oder vermeidende Bewältigungsstrategien
  • Frühere belastende oder traumatische Erfahrungen
  • Mangelnde Selbstwirksamkeit

Familiäre Faktoren

  • Psychische Erkrankung eines Elternteils
  • Konfliktbelastetes oder instabiles Familienklima
  • Vernachlässigung oder Misshandlung
  • Fehlende emotionale Zuwendung
  • Trennung oder Scheidung der Eltern

Soziale und gesellschaftliche Faktoren

  • Arbeitslosigkeit oder prekäre Beschäftigung
  • Niedriges Einkommen
  • Unsichere Wohnverhältnisse
  • Soziale Isolation
  • Diskriminierung oder Ausgrenzung
  • Belastende Lebensereignisse (z. B. Verlust, Flucht, Krieg)

Wichtig: Einzelne Belastungen führen nicht automatisch zu einer psychischen Erkrankung. Wie stark sie wirken, hängt auch davon ab, welche Unterstützung und Schutzfaktoren vorhanden sind.

Für eine stabile psychische Entwicklung sind mehrere Schutzfaktoren wichtig, die sich in verschiedenen Lebensbereichen zeigen:

Verlässliche emotionale Beziehungen:

Eine sichere und liebevolle Bindung zu mindestens einer wichtigen Bezugsperson kann das Vertrauen in andere Menschen sowie die emotionale Stabilität stärken.


Positives familiäres Klima:

Ein unterstützendes, warmes und strukturgebendes Erziehungsklima kann dazu beitragen, seelisches Wohlbefinden zu fördern und Belastungen vorzubeugen.


Vorbilder im Umgang mit Belastungen:

Bezugspersonen, die konstruktiv mit Stress und schwierigen Situationen umgehen, können Kindern und Jugendlichen hilfreiche Strategien zur Bewältigung vermitteln.


Soziale Netzwerke außerhalb der Familie:

Unterstützung durch andere Menschen im Alltag, z.B. durch die Nachbarschaft, Lehrkräfte oder Sportvereine kann die psychische Widerstandskraft und die soziale Integration stärken.


Frühzeitige Erfolgserlebnisse:

Aufgaben und Verantwortlichkeiten, die positive Erfahrungen ermöglichen (z. B. die Betreuung eines Haustiers, Fürsorge für jüngere Geschwister oder Engagement in Jugendgruppen), können Selbstwirksamkeit und Selbstvertrauen fördern.


Stabilität in Temperament und emotionalen Reaktionen:

Individuelle Merkmale wie eine ausgeglichene Grundstimmung oder eine vergleichsweise stabile emotionale Balance können dazu beitragen, schwierige Situationen gelassener zu bewältigen.


Erfahrung von Selbstwirksamkeit:

Die Erfahrung, mit dem eigenen Verhalten etwas bewirken zu können und die Folgen des eigenen Handelns zu erkennen, kann das Gefühl von Kontrolle über das eigene Leben stärken.

Tiefergehende Informationen können Sie hier finden: 

Psychische Gesundheit in Deutschland · Bericht Teil 1 – Erwachsene

Der Bericht enthält umfassende Informationen zur psychischen Gesundheit von Erwachsenen in Deutschland. Im Kapitel „Risiko- und Schutzfaktoren“ werden Einflüsse auf die psychische Gesundheit ausführlich beschrieben.