Stillzeit und Muttermilch
Stillzeit ist die Phase ab Geburt, in der das Baby ausschließlich oder ergänzend Muttermilch erhält (Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation: 6 Monate exklusiv). Muttermilch ist das natürliche Sekret der mütterlichen Brustdrüse, hormonell gesteuert (Prolaktin, Oxytocin), optimal an die Bedürfnisse der Babys angepasst.
Kurz gefasst:
- Stillzeit: Phase ab Geburt mit Muttermilch-Ernährung; Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation: 6 Monate voll, bis 2 Jahre ergänzt.
- Zusammensetzung: 87% Wasser, 7% Kohlenhydrate (Laktose), 4% Fett, 1% Eiweiß + Vitamine/Mineralien/Enzyme/Antikörper/Humane Milch-Oligosaccharide (HMOs).
- Phasen: Kolostrum (Tage 1–3: immunstark), Übergangsmilch (Tage 4–14), Reife Milch (ab Woche 2: nährstoffreicher).
- Vorteile: Optimale Verträglichkeit, Immunschutz (IgA), Gehirn-/Darm-Entwicklung, Mutter-Kind-Bindung.
Was gibt es noch zu wissen?
"Klassisches Stillen":
- Angepasst an Saugbedarf („Nachfrageprinzip“): Je öfter angesaugt, desto mehr Milch. Man sollte nach Bedarf und nicht nach Uhr stillen.
- Häufige Probleme: Anlegen lernen (Haut-zu-Haut, Hebamme); Milchstau durch falsches Anlegen vermeiden
Abpumpen:
- Abpumpen ist ebenfalls in Ordnung
- Hinweis: Kühlung bis 4 Tage, Gefrierschrank 6 Monate
- KiGGS (Robert Koch Institut): Fast 90 % der Mütter beginnen zu stillen, aber nur etwa 40 % stillen 4 Monate oder länger
- HOPE-Studie (Ludwig-Maximilians-Universität): Stillen ist mit gesundheitlichen Vorteilen für das Kind verbunden, z. B. einem geringeren Risiko für Atemwegsinfekte oder Durchfall
- Leipzig-Studie: Muttermilch enthält Nährstoffe, Eiweiße und Zucker, die das Wachstum und die Gesundheit von Babys fördern. Stillen bietet somit viele Vorteile.
- Bundesinstitut für Risikobewertung: In Deutschland starten die meisten Mütter mit dem Stillen, doch nach einigen Monaten nimmt die Zahl der ausschließlich gestillten Kinder deutlich ab. Laut Bundesinstitut für Risikoberwertung kann Stillen das Risiko für Atemwegsinfekte und erkranken seltener an Diabetes mellitus Typ 2 und Übergewicht.
Risiken:
- Alkohol: Reduziert Milchmenge, häufiger Milchstau und Schadstoffe.
- Rauchen: Nikotin hemmt Milchproduktion; Schadstoffe im Rauchen.
- HIV-Schwangerschaftsleitlinie 2025: Stillen bei HIV ist möglich, wenn die Viruslast unter der Nachweisgrenze liegt und die Mutter zuverlässig therapiert wird.
- Bei Cytomegalievirus (CMV) und Frühgeborenen: Um eine Ansteckung zu vermeiden, wird Muttermilch in Deutschland häufig vor dem Füttern pasteurisiert. Fachgesellschaften weisen jedoch darauf hin, dass Muttermilch sehr viele Vorteile hat und eine CMV-Infektion oft mild verläuft – daher kann je nach Situation auch individuell entschieden werden, ob eine Behandlung der Milch notwendig ist.
- Cytomegalievirus und Frühgeborene: Das Virus kann über Muttermilch übertragen werden und bei sehr kleinen Frühgeborenen krank machen; deshalb wird das Risiko sorgfältig abgewogen.
Prävention/Hanhdlungsempfehlungen:
- Genussmittel: Alkohol vollständig meiden; maximal 2 Tassen Kaffee.
- Bei Stillproblemen: Hebamme/Stillberatung kontaktieren. Anleitung zur korrekten Anlegetechnik zur Vorbeugung und Behandlung von Milchstau und wunden Brustwarzen.
Stillen in Deutschland aus wissenschaftlicher Sicht (2018): Bundesinstitut für Risikobewertung, [online] https://www.bfr.bund.de/presseinformation/stillen-in-deutschland-aus-wissenschaftlicher-sicht/
Themenblatt: Stillen (2025): RKI2024, [online] https://www.rki.de/DE/Themen/Nichtuebertragbare-Krankheiten/Studien-und-Surveillance/Studien/Adipositas-Monitoring/Vor_und_nach_Geburt/HTML_Themenblatt_Stillen.html.
Allergieinformationsdienst (2025): Allergieinformationsdienst, Allergieinformationsdienst von Helmholtz Munich, [online] https://www.allergieinformationsdienst.de/vorbeugung-und-schutz/allergien-vorbeugen/ernaehrung-im-kindesalter.
Dr. Z. Bauer - Publikationen in der Stillförderung (2025): Rauchen, Alkohol, Kaffee und weitere Genussmittel in der Stillzeit - Still-Lexikon, Still-Lexikon, [online] https://www.still-lexikon.de/genussmittel-in-der-stillzeit/.
Deutsch-Österreichische Leitlinie zur HIV-Therapie in der Schwangerschaft und bei HIV-exponierten Neugeborenen (2025). Deutsche Aidshilfe / Deutsche AIDS-Gesellschaft (DAIG). Online verfügbar unter: https://www.aidshilfe.de/medien/wp-content/uploads/2025/11/HIV-Schwangerschaftsleitlinie_2025.pdf
Häufige Fragen & Mythen
Eine Stillmahlzeit kann fünf bis 60 Minuten dauern. Jedes Mutter-Kind-Paar ist unterschiedlich.
Empfehlung als Richtwert sollte zunächst darauf geachten werden, dass das Kind ab dem zweiten Lebenstag pro Stillmahlzeit 10 bis 15 Minuten effektiv saugen sollte, idealerweise an beiden Seiten.
Schläft Ihr Kind nach dem Stillen ein und wirkt zufrieden, hat die Menge für diese Mahlzeit ausgereicht. Ob Ihr Kind genug Milch trinkt, sehen Sie an der Ausscheidung und der Gewichtszunahme.
Nach einigen Tagen werden Sie merken, dass Ihre Brust nach dem Stillen weicher wird.
Anzeichen für eine ausreichende Versorgung des Kindes sind unter anderem:
- Physiologische Gewichtsentwicklung
- Ab dem zweiten bis dritten Lebenstag: sechs nasse Einmalwindeln und täglich mindestens einmal Stuhlgang (in den ersten vier bis sechs Lebenswochen; später verändert sich unter Umständen die Stuhlfrequenz)
Hinweis: Das Zufüttern von Säuglingsnahrung wird ausschließlich empfohlen bei medizinischer Indikation, um die physiologischen Vorgängen der Milchbildung nicht zu stören.
Tipp: Wichtig sind hierbei kleine Portionen, dafür lieber häufiger.
Nein – oft hat das Weinen/Schreien des Babys andere Ursachen als Hunger/Durts. Zum Beispiel falsches Anlegen oder ein Wachstumsschub.